Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.
Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht.
Albert Einstein

BohmDialogBuch

David Bohm (1917 – 1992) gilt auf seinem Gebiet der theoretischen Physik als einer der großen Denker des 20. Jahrhunderts. Er war Mitarbeiter Einsteins. Er hat mehrere Bücher, vor allem auch philosophischer Natur, verfasst, unter denen vor allem Die implizierte Ordnung: Grundlagen eines dynamischen Holismus herausragt. Eines seiner Hauptanliegen war der Dialog. Lee Nichol, der einer der Dialoggruppen David Bohms angehörte, gab nach seinem Tode das zusammenfassende Buch über David Bohms Ansichten zum Dialog heraus, das die Grundlage dieser Praxisgruppe darstellt. Mehr Infos zu David Bohm

Ausgangspunkt: Nach Bohm ist es unser Denken, welches die Welt zerteilt und das, was ursprünglich ganz war, zerstückelt und fragmentiert. Üblicherweise meinen wir, dass unser Denken die Dinge und die Erfahrungen so beschreibt, wie sie wirklich sind, dass wir es mit einer objektiven äußeren Realitäten zu tun haben, die unabhängig von uns und unserem Wahrnehmen und Denken existieren. Das ist ein folgenschwerer Irrtum. Mit unserem Denken erschaffen wir uns unsere individuelle Realität selbst.

Ziel der Dialoggruppe: Dem Denkvorgang mehr auf den Grund zu gehen, um zu beginnen, den Ablauf von automatisch ablaufenden Denkprozessen zu ändern. Wir wollen den Dialog (diá = hindurch und lógos = Wort; also diá-logos= durch das Wort hindurch‘) bewusst üben, um ihn zunehmend im täglichen Leben, statt der oft unergiebigen Diskussion (discudere = zerschlagen), die die meisten Beteiligten unbefriedigt zurücklässt, anzuwenden. Wenn sich eine Gruppe regelmäßig zum Dialog trifft, beginnt sich nach Bohm ein feiner subkultureller Unterschied der Teilnehmenden bemerkbar zu machen und wir bekommen so die Möglichkeit, der Macht gesellschaftlicher Konventionen in unserem Denken entgegen zu wirken. Die, sich dabei herauskristallisierende Reibung zwischen den gegensätzlichen Wertvorstellungen, ist ein wesentliches Element des Dialogs.

Dialog-Praxis-Gruppe: Eine Gruppe von etwa 20 Teilnehmern trifft sich alle drei Wochen. Die Gruppe hat außer dem Üben des Dialogs keinen von vornherein festgelegten Zweck, obwohl sich in jedem Moment ein Zweck ergeben kann. Sie beginnt sich in einer neuen dynamischen Beziehung zu engagieren, in der kein Sprecher und kein bestimmter Inhalt ausgeschlossen sind. Ein Gruppenleiter existiert nicht. Zu Beginn kann eine Person helfen den Rahmen zu finden.

Dauer: insgesamt zwei Zeitstunden, Ablauf: Begrüßung/ Praxis 90 min/Feedback

Die Praxis-Dialog-Gruppe findet jeweils 19:30 Uhr im Gemeinschaftsraum in der Georg-Elser-Str. 2 im Erdgeschoss statt - Einstieg jederzeit möglich!  Infos: dieter[at]plappert-freiburg.de

 

Dialog nach David Bohm - in Theorie und Praxis

16. Mai 2018 19:00 Uhr, Haus 037, Freiburg-Vauban, Alfred Döblin-Platz 1  

„Das offene Gespräch am Ende der Diskussion“. Für den Quantenphysiker David Bohm ist die erlebte Dialogpraxis ein Weg, die Hintergründe vieler heutiger Krisen zu untersuchen um eine tiefere Kommunikation und ein umfassenderes Verständnis zu ermöglichen. Eintritt frei. Flyer zur Information und zum Weitergeben

 Sieben Thesen zum Dialog nach Bohm

 

Zum Sinn des Dialogs  (David Bohm, Der Dialog - das offene Gespräch am Ende der Diskussionen; Klett-Cotta, 7. Aufl. 2014, S. 66ff)

Der Sinn des Dialogs ist nicht, etwas zu analysieren, eine Auseinandersetzung zu gewinnen oder Meinungen auszutauschen. Das Ziel ist vielmehr, die eigenen Meinungen in der Schwebe zu halten und sie zu überprüfen, sich die Ansichten aller anderen Teilnehmer anzuhören, sie in der Schwebe zu halten und zu sehen, welchen Sinn sie haben. Wenn wir erkennen können, welchen Sinn all unsere Meinungen haben, teilen wir einen gemeinsamen Gedankeninhalt, selbst wenn wir nicht völlig übereinstimmen. Vielleicht stellt sich heraus, dass die Meinungen eigentlich gar nicht so furchtbar wichtig sind. Schließlich sind sie alle Annahmen. Und wenn wir in der Lage sind, alle Ansichten gleichermaßen zu betrachten, werden wir vielleicht fähig, uns auf kreativere Weise in eine neue Richtung zu bewegen. Wir können einfach das Verständnis der verschiedenen Bedeutungen miteinander teilen. Und wenn wir das tun, zeigt sich vielleicht unangekündigt die Wahrheit – ohne dass wir sie gesucht hätten.

   Wenn jeder hier in diesem Raum die Standpunkte aller in der Schwebe hält, tun wir alle dasselbe. Alle betrachten gemeinsam alle Standpunkte. Der Inhalt unseres Bewusstseins ist im wesentlichen gleich. Dementsprechend wird eine andere Art des Bewusstseins in der Gruppe möglich, ein partizipierendes Bewusstsein. Das Bewusstsein ist stets partizipierend, aber hier wird es offen zugegeben, und so kann es diesen Weg ungehindert gehen. Es kann sich frei zwischen uns bewegen. Jeder einzelne partizipiert, hat Teil an der Gesamtheit der Bedeutungen der Gruppe und beteiligt sich daran. Das können wir als wahren Dialog bezeichnen.

 Den Sinn, den ich in der Praxisgruppe erlebe: Zitate einzelner Teilnehmer der Freiburger Bohm Dialog Praxisgrupppe

  • "In Beziehungen, in Arbeitsgruppen, im Weltgeschehen dominiert das Abgrenzen, das sich nicht verstehen, das Recht haben wollen – oft auch trotz bester Vorsätze. Es findet eine „Atomisierung“, eine „Individualisierung“ statt. In vielen Lebensbereichen ist das Zusammenschauen, das konstruktive miteinander Denken und Arbeiten förderlich. Obwohl die Quantenphysik und ihre Erkenntnis, dass das Ganze mehr ist als seine Teile, schon über 100 Jahre alt ist, wird die Wahrheit oft im intellektuellen Zergliedern, in der Diskussion, im Einzelnen, im Atom, im Teilchen gesucht. David Bohm, Quantenphysiker, sieht in diesem „Fraktalisierendem Denken“ einen zentralen Grund für die ungelösten Aufgaben der Gegenwart und gibt uns mit seiner Idee der „Dialog-Praxisgruppe“ ein Werkzeug an die Hand, das Ganze, das Gemeinsame erleben, erforschen zu können. Eine seiner Grundideen ist, dass wir in einer Gruppe von Menschen, wie in einer Art „Werkstatt“, im offenen Gespräch, ohne Themenvorgabe und ohne Leiter, in einen gemeinsamen Sinnfluss kommen können. Die unterschiedlichen Standpunkte werden dabei in der Schwebe gehalten. Dabei kann jeder ganz persönlich die eigenen Annahmen, die das persönliche Denken prägen, in den Blick nehmen. In der Dialog-Praxisgruppe können wir Fähigkeiten entwickeln, um in allen Lebensbereichen immer mehr in eine dialogische Grundhaltung zu gelangen. Bei mir persönlich betrifft das besonders auch als Lehrer das Unterrichten und als Naturforscher, den Kontakt mit der Natur."

  •  „Wenn wir uns selbst in Bezug zu unserer Gesellschaft betrachten würden, könnten wir beobachten, dass wir in einer Gesellschaft leben, worin die Gemeinsamkeit immer mehr verloren geht: Alleinerziehende Mütter, Singles, alleinlebende Senioren, usw. Wir sind in Funktionsgruppen geteilt…. und fühlen uns einsam. Aber die Trennung isoliert nicht nur, sondern bewirkt zudem Schwäche und Unsicherheit.Und wenn wir uns über diese Lage, oder welche andere Lebenslage auch immer, zudem auch noch Gedanken machen, sind wir in dem Moment vielleicht dabei diese ungewollte Trennung sogar in unseren Köpfen fortzusetzen. Weil unser Denken - ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht - auf Denkmustern, Annahmen und Prägungen basiert, wodurch wir nicht objektiv, sondern nahezu immer subjektiv denken. Dies macht uns unfähig unsere Realität klar zu erkennen. So bewirken wir, dass wir mit unserem Denken die ursprüngliche Einheit zerstückeln. Mit dieser, uns üblichen Denkweise kommunizieren wir, oder besser gesagt: Wir diskutieren (aus lat. zerschlagen, zerstückeln, zerstreuen) und fördern mit unseren Diskussionen aus dem subjektiven Verstand heraus diese Trennung sogar.Unsere übliche Denkweise wird uns somit keine Lösungen bieten. Hier kommt der Ansatz zum Thema Dialog: In einer Dialoggruppe (nach Bohm) versuchen wir uns diese unerwünschte Vorgehensweise bewusst zu werden. Durch den gemeinsamen Dialog versuchen wir die ursprüngliche Verbundenheit, die uns Menschen stark und selbstsicher macht, wieder zurückzufinden. Wir versuchen uns von der Diskussion als Kommunikationsmittel wegzubewegen um uns über den Dialog als Verbindungsmedium wieder zurückzufinden.  Wir erfahren dies ebenso als einen wichtigen Aspekt um Frieden und Harmonie erstmal in uns und im kleinen Kreis wiederherzustellen. Frieden im Kleinen, bewirkt Frieden im Großen.“

  • "Das gesprochene Wort sollte so verwendet werden, wie der letzte Schluck Wasser während einer Wüstendurchquerung." Wir leben in einer bewegten Zeit, die Pole spürbar werden lässt. Individualismus, Radikalismus und wirtschaftliche Maxime beherrschen insbesondere das öffentlich geprägte Bild. Für mich ist das Gefühl der Trennung oder besser: Spaltung ein Impuls, den anderen Pol zu erfahren: das Ganze, die harmonische Ausgeglichenheit der Schöpfung. So lenke ich lediglich meine Aufmerksamkeit hin zu etwas, was immer da ist und vielleicht nicht von mir beachtet oder beobachtet worden ist: das dialogische Miteinander. Vielleicht ist die Diskussion ein Phänomen mit männlicher Energie und der Dialog ein schon immer da gewesenes Phänomen mit weiblicher Energie...? Meine Existenz hat somit die Möglichkeit durch Übung in Achtsamkeit und Lenkung meiner Aufmerksamkeit (Focus), beides zu erkennen und zu erleben. Für mich ist 'Stille in Gemeinschaft' ein wesentliches Element meiner ganzheitlichen, neu zu findenden Wahrnehmung. Es bleibt eine spannende Reise!"

Archiv:

Workshop 2017: Der Dialog nach David Bohm in Theorie und Praxis

Nach Bohm ist es unser Denken, das die Welt zerteilt und das, was ursprünglich ganz war, zerstückelt und fragmentiert – Ursache vieler persönlicher, gesellschaftlicher und globaler Schwierigkeiten. Annahmen, die unsere eigene Wahrnehmung bestimmen und prägen, sind uns meist unbewusst. Im Dialog, wie Bohm ihn versteht, kann durch den vielschichtigen Prozess, der über die typische Vorstellung von Gespräch und Gedankenaustausch hinausgeht, Kohärenz in einer Gruppe erlebbar werden. So kann er eine Übungswerkstatt sein, in der wir die große Bandbreite menschlichen Austausches erkunden können.

Eine Gruppe bestehend aus fünfzehn bis zwanzig Teilnehmern versammelt sich im Kreis. Nach einer Einführung in das Wesen des Dialogprozesses beginnt die Gruppe ihre Themen zu finden. Im Folgenden ist, damit der Dialog gelingt, ein erhebliches Maß an Aufmerksamkeit erforderlich um die versteckten eigenen Annahmen und Reaktionen im Auge zu behalten. Dies erfordert in erster Line Bereitschaft und kein angesammeltes Wissen oder eine bestimmte Technik.

Freitag, 17.11.2017, 19:00 Uhr – 21:30 Uhr

Begrüßung und Vorstellungsrunde - Einführung in das Thema - 1. Dialogrunde.

Samstag, 18.11.2017, 9:30 Uhr – 17:00 Uhr

Theorie („Bohm-Dialog“) und Austausch - Eintauchen in einen inneren Dialog: Ausdruck und Austausch mit dem Material Ton oder Farbe- 2. Dialogrunde

Ergebnisse unserer Dialog-Praxis-Forschung

Abschlussrunde

Maximale Teilnehmerzahl: 20     

Dieter Plappert               Bereichsleiter am Staatl. Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg,

        Mitglied der Freiburger Bohm-Dialog-Praxisgruppe

Eva von Ruckteschell    Keramikerin,

        Mitglied der Freiburger Bohm-Dialog-Praxisgruppe

 

Auftaktveranstaltung mit Hansjörg Steinmann, Dialogberater, Zürich:

29. Januar 2016 19:00 Saal im Haus 37
über dem Restaurant Süden – Freiburg-Vauban – Alfred Döblin-Platz 1

Hansjörg Steinmann, langjährige Erfahrung mit unterschiedlichen Formen von Dialoggruppen (öffentlichen Dialoge von Rolf Todesco,
Pfingstdialog in der City-Kirche Zürich, Philosophie-Festival Langenthal) wird in das Thema einführen.
Danach wird das konkrete Projekt „Freiburger Dialoggruppe nach Bohm“ vorgestellt.
Am Ende der Veranstaltung können Interessierte sich für die Freiburger Dialoggruppe nach Bohm anmelden.

„Der Dialog ist für mich eine phantastische Sache - er hat mir sowohl methodisch wie vor allem auch philosophisch sehr viel
gegeben für meinen beruflichen wie auch privaten Alltag. Entsprechend freue ich mich stets, wenn neue Gruppen initiiert werden
und sich die Idee so verbreitet.“ Hansjörg Steinmann